INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Animation 1

Animation 2

Perspektive

Draufsicht

Skelett und
Deckung

Stangenaufteilung

Sioux Tipis

T I P I   D ER   S I O U X


Für das Skelett ihres Tipi verwendeten die Sioux im Gebiet der Rocky Mountains Kiefernholz, in Minnesota und Wisconsin benutzte man Tamarack, ein schwereres Gehölz; in den südlicheren Gebieten diente rotes Zedernholz als Material für die Stangenkonstruktion. Bevorzugt wurde aber überall dort, wo es vorhanden war, das weiße Zedernholz, das leichteste Holz in Nordamerika.
Für die Jagd errichteten die Indianer kleinere Tipis (Durchmesser von 3,5 m und eine Stangenlänge von 4,5 m), Familientipis hatten einen Durchmesser von 5,5-6 m; dafür wurden Stangen von 6,5-7,5 m Länge benötigt. Für ein permanentes Camp baute man Zelte mit 7-9 m Durchmesser und 8-12 m langen Stangen.
Bei einem Tipi von 6 m Durchmesser waren die Stangen im Bodenbereich 8-10 cm stark, in der Kreuzung 5 cm. Stangen für andere Tipigrößen standen im Verhältnis dazu.

Beispiel: 18-Stangen Tipi
Bei der Errichtung des Tipi wurden die drei stärksten Stangen als Grundgerüst ausgewählt und abgepasst, indem sie auf die am Boden ausgebreitete Tipihülle gelegt wurden, um den Knotenpunkt zu bestimmen. Diese Stelle wurde an den Stangen markiert, damit beim nächsten Mal diese Prozedur nicht mehr nötig war. Manche Indianer verankerten das Gerüst im Boden, wobei dieser Längenverlust berücksichtigt werden musste.
Die drei Basisstangen wurden am Boden positioniert. Zwei Stangen lagen mit den Enden Richtung Süden, und das Ende der Türstange lag auf der Position D (siehe Abbildung), auf den beiden anderen Stangen des Grundgerüstes. Nun wurde das Dreibein am markierten Punkt mit einem Seil zusammengebunden. Ein Helfer hielt das lange Ende des Seils und zog daran, während ein anderer einen Pfosten am oberen Ende hochhob, sich darunter stellte und so das Dreigestell hochdrückte. Einmal hochgezogen, waren die Stangen leicht auszurichten und das Grundgerüst konnte in Position gebracht werden.
Dann wurden die ersten fünf Wandstangen in die vordere Kreuzung rechts gelegt, die nächsten fünf in die selbe Kreuzung links. Die Wandstangen 11, 12, 13 und 14 legte man in die hintere Kreuzung, wobei zwischen 13 und 14 noch Platz für die Hebestange (L) bleiben musste. Diese wurde mittig auf die Deckung gelegt und abgepasst. Danach wurde die Hülle von beiden Seiten her mehrmals gefaltet und an die Hebestange gebunden. Das Bündel wurde mit seinem oberen Ende in die hintere Kreuzung gelegt. Die Hülle wurde nun beidseitig ausgerollt bis zu den beiden Stangen neben dem Eingang.
Für das Zusammenbinden der Hülle und das Einfügen der Verbindungsstifte befestigte man zwischen den beiden vorderen Stangen als Aufsteigehilfe Querhölzer, die nach dem Aufstellen wieder entfernt wurden. Nachdem die Hülle an der Vorderseite festgepflockt war, konnten die beiden Stangen für den Rauchabzug justiert werden. Sie mussten eng am Tipi sitzen und wurden bei den Sioux hinten gekreuzt.
Von innen her spreizte man nun alle Stangen etwas auseinander, um einen symmetrischen Grundriss zu erhalten. Danach wurde die Hülle erst bei der Türöffnung und an der Rückseite festgepflockt, dann rundherum.
Herrschten ungünstige Windverhältnisse, so verankerte man die Stagen in der Erde; manchmal nur jene des Grundgerüstes, manchmal nur die Wandstangen, manchmal auch alle.
Die Sioux benötigten für das Errichten eines Tipi nur zwanzig bis dreißig Minuten, wobei das Aufstellen des Gestänges lediglich etwa fünf Minuten in Anspruch nahm.

Dagmar Mayrhofer  
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