INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Perspektive 1

Frontansicht

Seitenansicht

Grundriss


T U P I K

 

Je nach Saison benutzten viele Eskimo- (Inuit-) Stämme Nordkanandas und Alaskas unterschiedliche Typen von Wohnbauten: Im Winter bewohnte man Iglus oder feste Winterhäuser; zu Ende des Frühjahrs, wenn durch die beginnende Erwärmung die Iglus brüchig wurden und die Winterhäuser sich stark durchfeuchteten, errichtete man zwischensaisonale Bauten (Qarmaq). Als Basis dieser Strukturen diente beispielsweise die alte Igluwand und der Tunneleingang, darüber spannte man über eine primitive Stangenkonstruktion als Bedachung Häute und Felle.

Im Sommer benutzten die Eskimos Zelte, die Tupik genannt wurden und eine etwas komplexere Skelettkonstruktion aufwiesen.
Die Errichtung des Tupik begann mit dem Aufstellen eines Dreibeins: 2 Stangen wurden in der Form eines "V" gegeneinander gestellt und mit einer dritten stabilisierenden Stange verknotet. Danach lehnte man weitere drei bis vier Stangen im Halbrund an die Primärstruktur des Dreibeins und verknotete sie ebenfalls mit diesem.
Die so entstandene apsidiale Halbkegelform wurde in verschiedenen Regionen der Zentralarktis zu einem Kegel auf kreisförmigem Grundriss vervollständigt, was der Struktur ein ähnliches Erscheinungsbild wie das eines Tipi verlieh (vgl. Tipi); In anderen zentralarktischen Regionen errichtete man eine interessante Variante: Man erweiterte den Kegel durch einen Eingangsbereich, der in seiner Situation an den Tunneleingang eines Iglu oder eines Winterhauses erinnert, auch wenn er beim Tupik eine wesentlich wichtigere raumbildende Funktion besitzt. Die Skelettkonstruktion dieses Bereiches ist denkbar einfach: Ein Gespärreständer trägt eine oder zwei Firstpfetten, die an ihrem anderen Ende im Knotenpunkt der Halbkegelstruktur aufliegen.
Über das Stangenskelett wurden Felle gespannt, entweder von Karibus oder von Robben, je nachdem, welche Tiere gejagt wurden.
Das Innere des Tupik war in einen Schlafbereich, einen Aufenthaltsbereich und einen Lagerbereich für Kleidung und Werkzeuge aufgeteilt; die Grenzmarkierung dieser Zonen erfolgte durch Steine, die man in Reihen auf dem Boden legte. Die Kochstelle lag - im Gegensatz zu den Winterquartieren - ausserhalb des Tupik.

Roman Slawiczek
Jürgen Hackl
 
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