INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Axonometrie

Grundriss

Querschnitt

Längsschnitt



Typisches Langhaus der Salish-Gruppe

Q U I N A U L T

Die Quinault gehörten zur Gruppe der mehr als ein Dutzend umfassenden Salish- und Chemakum sprechenden Stämme (wie beispielsweise auch die Tillamook und Chinook), welche das Gebiet zwischen dem Puget Sound und dem Golf von Georgia im Süden der Nordwestküstenregion besiedelten.
Im Unterschied zu den weiter nördlich angesiedelten Stämmen drückte sich die Rangordnung innerhalb der Sippe durch die Nähe des Wohnbereichs zur Mitte des langgestreckten Hauses aus: Das Zentrum war dem Oberhaupt vorbehalten, dem hier die größte Wohneinheit gebührte; die rangniedrigeren Sippenmitglieder bewohnten - gestaffelt nach ihrer Stellung in der Gemeinschaft - die äußeren Zonen. Mit dem Aufrücken in eine höhere Rangstufe wechselte man in ein der Hausmitte näher gelegenes Compartiment; vergrößerte sich die Sippe, erweiterte man das Haus in Längsrichtung. Diese Erweiterungsmöglichkeit verlangte eine traufseitige Orientierung der Bauten zum Meer hin anstatt einer giebelseitigen, die in den meisten anderen Regionen der Nordwestküste üblich war. Es entstanden extrem gestreckte Hausstrukturen, deren Länge mehrere hundert Meter erreichen konnte; bei der Entdeckung durch Captain George Vancouver fand man beispielsweise eine Behausung, die etwa 380 m lang war.

Die bei Vergrößerung der Sippen erforderlichen Erweiterungen der Wohnhäuser der Länge nach wurden durch ein Modulsystem aus Rahmenkonstruktionen erleichert: In Abständen von 7-8 m errichtete man Stützenpaare mit Überlager bzw. Bundträmen, deren Längsaussteifung durch Oberschwellen bzw. Fußpfetten erfolgte, auf denen die Sparren auflagen. Die Firstpfette wurde von Stehern (Stuhlsäulen) getragen, welche auf den Bundträmen aufstanden. Durch die geringe Höhe dieser Steher von nur etwa 1 m ergab sich eine relativ geringe Neigung der Satteldächer. Solche flachgeneigten Dächer waren ein Charakteristikum der gesamten traditionellen Nordwestküsten-Architektur, auch wenn sie in regionalen Bautraditionen durch unterschiedliche Varianten des tragenden Skeletts erreicht wurden.
Die Dachhaut bestand aus Brettern, die man auf eine Lattung legte, welche auf die einzelnen Gespärre gebunden wurde. Die Wände waren ebenfalls mit Brettern verschalt, welche senkrecht standen und einfach auf den Oberschwellen (Fußpfetten) bzw. am Giebelgebälk befestigt wurden.
Obwohl sich durch diese übliche Verschalungsmethode das äußere Erscheinungsbild der Häuser der Quinault nicht wesentlich von jenen der übrigen Bautraditionen der Nordwestküsten-Indianer unterschied (abgesehen von der Längsausdehnung), differierte das tragende Skelett wesentlich davon, sowohl in seiner Konstruktionsweise als auch in den Holzdimensionen, die hier mit 12-16 cm Durchmesser viel geringer waren als die mächtigen Baumstämme, welche für die Bauten anderer Nordwestküstenvölker höchst charakteristisch sind.

Roman Slawiczek
Jürgen Hackl
 
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