INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Innenperspektive 1

Innenperspektive 2

E R D H A U S   D E R   P A W N E E

 


Die Pawnee, die seit dem 16. Jh. im Gebiet des Platte und Arkansas River in den heutigen Bundesstaaten Nebraska und Kansas siedelten und im 19. Jh. weiter südlich nach Oklahoma wanderten, errichteten Erdhäuser, die manche Parallelen mit jenen der weiter nördlich ansässigen Mandan und Arikara besitzen, sich davon jedoch durch den polygonalen Grundriss des inneren Skelettrahmens und das kegelförmige Erscheinungsbild der erdbedeckten Strukturen unterscheiden.
Die Symbolik ist im Erdhaus der Pawnee noch stärker ausgedrückt als bei den meisten anderen Indianerstämmen; auf die Vielzahl der Beziehungen zwischen der Anlage des Hauses und seiner Bauteile zu Erscheinungen der Natur und des Kosmos soll aber hier nicht näher eingegangen werden.
 
Die Erdhäuser der Pawnee waren nur leicht eingetieft — etwa einen halben Meter unter das Umgebungsniveau — und besaßen einen Durchmesser von durchschnittlich 20 m. Das Primärskelett wurde hier im Wesentlichen von zwei konzentrischen Rahmenpolygonen gebildet: Der äußere Rahmenring bestand aus 16 - 20 Stützen, in deren Gabeln Horizontalbalken als Oberschwellen gelegt wurden, und das innere Polygon besaß halb so viele Steher. Die Basiskonstruktion der Seitenwände wurde durch eine große Anzahl Jungstämme gebildet, relativ eng nebeneinander positioniert und in leichter Schräge gegen die Oberschwelle des Rahmens gelehnte, wodurch sie als Streben den Schubkräften der Dachzone entgegenwirkten. Die ebenfalls ziemlich dicht versetzten Sparren lagen auf den Oberschwellen des äußeren und inneren Rahmens auf und kragten zur Mitte hin leicht aus, wo eine Zentralöffnung als Rauchabzug frei gelassen wurde.
Den Eingang bildete man als Tunnel aus, dessen Wandbereich analog zum Hauptbau konstruiert war, nämlich mit Jungstämmen, die leicht schräg gegen die Oberschwellen der Seitenrahmen lehnten. Die Deckung des Eingangstunnels war dagegen horizontal ausgebildet; als tragende Elemente dienten hier Querbalken, welche auch den Tunnelrahmen räumlich aussteiften.
Für die Deckung des Erdhauses band man über die Sparren ein Netz aus Weidenruten, worauf eine Graslage und eine dichte Packung aus Erde bzw. Humusziegeln aufgebracht wurde.

Susanne Brandt
Günter Zöhrer
 
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