INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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E R D H Ä U S E R   D E R   E S K I M O

Das Hauptkriterium für die Konstruktionsweise baulicher Strukturen der Eskimo war— neben dem Schutz gegen die extremen klimatischen Verhältnisse — die Verfügbarkeit bestimmter Baumaterialien.
 
Im westlichen Teil der Arktis, wie bei dem hier gezeigten Beispiel eines Erdhauses auf der St.Lorenz-Insel, wo Holz verfügbar war, wurden die mit Rasenstücken belegten Dächer von einer Skelettkonstruktion aus massiven Hölzern getragen. Ein Erdhaus beherbergte meist drei Familien, deren jede ihren eigenen Schlafbereich hatte. Während des Winters bildete dieses Haus den Mittelpunkt des Lebens; in Iglus lebte man lediglich während der Robbenjagd am Eismeer.
Der Grundriss eines solchen Hauses, das etwa 25 m² Bodenfläche besaß, war ungefähr quadratisch. Das Primärskelett wurden von einem innerem Viergestell und vier Stützen an den Ecken der Außenwände gebildet, welche man mit einer etwas schwächeren Rahmenkonstruktion aus Oberschwellen und Wandstehern zum Wandskelett ergänzte. Während der Raum zwischen der Außenwand und dem inneren Viergestell durch Sparren überbrückt wurde, bildete man im Zentrum innerhalb des Viergestells eine ebene Decke aus. Die vertikalen Außenwände wurden aus dicht aneinander gestellten, gespaltenen Baumstämmen hergestellt und mit Humus abgedichtet. Darauf warf man eine Schicht aus Erde und Schnee, und manchmal goß man noch Wasser über Dach und Wände, um den isolierenden Effekt einer dünnen Eisschicht zu nutzen. Belüftet wurde mittels ausgehöhlter Walwirbel, die in der Mitte des Daches befestigt waren und durch ihre geringe Größe nur eine beschränkte Menge Kaltluft einströmen ließen. Die Eingangszone war als langer Tunnel ausgebildet, welcher als Temperaturschleuse wirkte.
 
Die Erdhäuser der
Eskimos im MacKenzie-Delta wurden nach der gleichen Konstruktionsweise errichtet. Sie besaßen jedoch einen kreuzförmigen Grundriss und einen im Bogen geführten Eingangstunnel.

Um Feste zu feiern, soziale Kontakte zu knüpfen und Kultzeremonien abzuhalten, errichtete man in den meisten Winterniederlassungen der Eskimos auch Versammlungshäuser ("Tanzhäuser").
Ebenso wie die Wohnhäuser wiesen auch diese Tanzhäuser einen quadratischen Grundriss auf und besaßen ein inneres Viergestell, dessen Steher auch als Zwillingsstützen ausgebildet sein konnten. Die Deckung bestand aus einer Erdschicht, die auf dicht an dicht gelegte dünnere Stangen aufgebracht wurde. Der Eingang in das Tanzhaus erfolgte auch hier durch einen Eingangstunnel, der jedoch unter der Erdoberfläche angelegt wurde.

Susanne Brandt
Günter
Zöhrer
 
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