INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Perspektive 1

Perspektive 2

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Seitenansicht

Grundriss


G R O S S E R   W I G W A M

Der Wigwam war ein weit verbreiteter Bautyp der nordamerikanischen Indianer und vom Nordosten der USA bis in die Plains zu finden. Besonders typisch war diese Behausung für die Algonkin-Stämme, deren Siedlungsgebiet vom nordöstlichen Waldland bis ins Gebiet der Großen Seen reichte.
Wigwams konnten verschiedene Funktionen besitzen; größere Strukturen wurden als Wohnhütten genutzt, während kleinere als Schwitzhütten (Sweatlodges) verwendet wurden.
Ein Wigwam konnte mit geringem Zeitaufwand errichtet werden.
Bei Indianerstämmen, die ihr Wohngebiet jahreszeitlich bedingt wechselten, wurde die Deckung des Wigwam abgenommen, eingerollt und auf den Wanderzügen mitgenommen. Die Skelettstruktur ließ man zurück, um sie bei der Rückkehr wieder zu benutzen.
Die Konstruktion des Wigwam variierte bei den verschiedenen Stämmen in Größe und Detail. Die größten Strukturen wurden von den Kickapoo, einem Algonkin-Stamm im Gebiet der Großen Seen, gebaut, deren Wigwams Grundflächen von 25 m² und Höhen von beinahe 3 m erreichten.
Große Wigwams besaßen als tragendes und aussteifendes Primärskelett eine innere Rahmenstruktur. Diesen Rahmen, bestehend aus zwei Stützen und einem darauf gesetzten Pfettenholz, errichtete man aus starken, geraden Baumstämmen.
Auf beiden Seiten dieser Primärkonstruktion wurden Jungstämme im Boden verankert, bogenförmig miteinander verbunden und am oberen Rahmenholz befestigt. Dann errichtete man in Längsrichtung weitere Bögen aus flexiblen Stämmen, die mit den schon bestehenden Rahmen verbunden wurden.
Um dieser Kreuzbogenstruktur eine noch höhere Steifigkeit zu verleihen, befestigte man im Sockelbereich der Bögen dünne Äste horizontal an der Außenseite der Konstruktion.
Als Deckung von Wigwams dienten Binsen- oder Schilfmatten, Rinden, Stoffe und Häute. Durch den Handel mit Weißen kamen später auch Zeltleinwände und Plastikplanen in Gebrauch und ersetzten die traditionellen Deckungsmaterialien. Die Abdeckung wurde entweder auf die Skelettkonstruktion gebunden, oder nur lose darauf gelegt. In diesem Fall fixierte man sie mit außen angelehnten Stämmen oder einer weiteren Lage dünner Äste.

Caroline Sedlacek  
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