INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Typ B
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Seitenansicht

Typ B
Grundriss


S H A K I N G   T E N T

 

Das Shaking tent (auch Conjuring lodge, "Zauberhütte" genannt) wurde im Gebiet der Großen Seen und im subarktischen Raum Nordamerikas für spezielle Weissagungsrituale von Schamanen errichtet. Es handelte sich um sehr kleine, schmale Konstruktionen, deren Inneres nur Platz für eine einzige Person bot.
Nach indianischem Glauben bildete das Innere des Shaking tent das Zentrum der Welt. Von diesem Ort aus schuf der Schamane Kontakt zwischen der Welt der Menschen und der Welt der mythischen Wesen. In meditativem Zustand und mit Unterstützung eines übernatürlichen Helfers (meist einer mythischen Schildkröte) konnte er Fragen über günstige Jagdplätze, das Befinden weit entfernt lebender Verwandter oder Geschehnisse der Zukunft beantworten.
Während des Rituals bewegte sich der Schamane im Inneren, wodurch das Shaking tent von einer Seite zur anderen schwang. Diese Schwingfähigkeit wurde durch die Flexibilität der Struktur erreicht, deren Bogenelemente unter Spannung standen.
 
Das Shaking tent musste exakt nach den Kardinalrichtungen orientiert sein. Für die Errichtung der Struktur gab es genaue Anweisungen, welche die Bauweise und das Baumaterial betrafen.
So verwendeten etwa die Chippewa, die zum Stamm der Algonkins gehören und im Gebiet der Großen Seen siedelten, für die Konstruktion ihres Shaking tent Holz von Birken und Fichten. Je drei Birken- und Fichtenjungbäume wurden senkrecht im Boden verankert, und vier Ringe aus je zwei Birken- und zwei Fichtenschößlingen bildeten die waagrechte Aussteifung der Konstruktion. Die besondere Art der Verbindungen setzte die gesamte Konstruktion unter statischer Spannung.
Bei einer anderen Konstruktionsweise ordnete man sechs Birken- oder Fichtensprößlinge kreisförmig an und verankerte sie im Boden. Die gegenüberliegenden Stämme wurden zu Bögen gekrümmt, zusammengebunden oder ineinander verwunden. Zusätzlich befestigte man 4 - 6 dünne Äste waagrecht an die bestehenden Rahmen, um der gesamten Konstruktion größere Steifigkeit zu geben.
Vor dem Ritual wurde der Boden des Shaking tent mit frisch geschnittenen Ästen ausgelegt. Die Deckung — Rinde oder Stoffe — brachte man erst auf, nachdem sich der Schamane ins Innere begeben hatte.

Caroline Sedlacek  
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