INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Z E R E M O N I A L H Ü T T E   D E R   M I D E W I W I N

 

Das Mite.wika.n, die Zeremonialhütte der Midewiwin - einer kultischen Vereinigung der im westlichen Gebiet der Großen Seen angesiedelten Stämme - ist ein Beispiel für einen der größten rituellen Bauten der Indianer Nordamerikas.
Die wichtigsten Aufgaben dieser Vereinigung, deren Mitglieder in einem hierarchischem System verschiedener Grade der Geheimhaltung standen, bildeten Gesundheitsvorsorge, Krankenheilung und spirituelle Erneuerung.
Die extrem langgestreckte, tonnenförmige, an den Schmalseiten mit Apsiden abgeschlossene Struktur aus gebogenen Jungstämmen, welche 30 m und länger sein konnte, errichtete man für die jährliche Versammlung, die auch die Initiation neuer Mitglieder miteinschloss.
Während des Aufnahmerituals, dem öffentlichen Medizintanz, wurden symbolisch Tod und Wiedergeburt vollzogen und solcherart die Macht der Medizin demonstriert. Während dieses Rituals durchschritten die Teilnehmer das Bauwerk der Länge nach in einer Prozession.

Das Primärskelett des Mite.wika.n bestand aus einer Vielzahl von biegsamen Jungbäumen, die im Boden verankert und bogenförmig miteinander verbunden wurden, sodass ein Tonnengewölbe mit halbkuppeligen Endungen entstand. In Längsrichtung steifte man die hintereinander angeordneten Parallelbögen mit mehreren horizontal befestigten Stangen aus.
Im Zentrum des Mite.wika.n stand die hoch über die Tonnenstruktur hinausragende heilige Stange, welche den Baum des Lebens symbolisierte; die Bodenfläche galt als Symbol des Lake Superior oder auch der gesamten Erde.
Die Deckung des Mite.wika.n wurde nur hüfthoch aufgebracht und bestand ursprünglich aus Ästen, Matten oder Rinde. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden diese traditionellen Materialien jedoch durch Zeltplanen ersetzt.

Caroline Sedlacek  
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