INSTITUT FÜR BAUKUNST, BAUAUFNAHMEN UND ARCHITEKTURTHEORIE  •  TECHNISCHE UNIVERSITÄT WIEN
AUSSEREUROPÄISCHE BAUKUNST  •  SEMINAR SKELETTBAUTEN DER INDIANER NORDAMERIKAS  •  Ao.Univ.Prof. DI Dr. Erich Lehner

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Perspektive 1

Perspektive 2

Ansicht 1

Ansicht 2

Grundriss
 


G R A S H A U S   D E R   C A D D O


Das Grashaus war die typische Wohnbehausung der Caddo - Stämme, denen zum Beispiel die Wichita und die Caddo selbst angehörten, die im Süden der Plains siedelten. Die Cahuilla, welche im südlichen Kalifornien lebten, bauten ihre Hütten in der selben Konstruktionsweise, verwendeten jedoch andere Materialien.
Auch andere Stämme des südlichen Kaliforniens bewohnten Grashäuser, die zwar in ihrer Form jenen der Caddo ähnlich waren, jedoch in der Konstruktion Unterschiede aufweisen (siehe auch Grashäuser Südkaliforniens).
Die Hütten bauten auf einem kreisrunden Grundriß auf und hatten entweder die Form einer hemisphärischen Kuppel oder einer Spitzkuppel. Ein oder zwei Eingänge führten in das Innere. Manchmal wurde eine Rauchöffnung im Dach vorgesehen, meist jedoch mußte sich der Rauch einen Weg durch die Grasdeckung bahnen.
Die Konstruktion dieser Grashäuser bestand aus einem inneren Rahmen, einem vieleckigen Kranz aus Dachsparren, an dem die äußere, sekundäre Konstruktion, bestehend aus dünnen, vertikal verlaufenden Dachrippen, befestigt wurde.
Der Bau begann mit dem Vorbereiten des Bodens: Die Grasnarbe wurde abgetragen und die Bodenfläche eingeebnet. Bei den Cahuilla wurde der Boden der Häuser etwas abgesenkt.
Vier gegabelte Baumstämme stellte man — beginnend im Osten — in einem Quadrat auf und verankerte sie im Boden. Danach wurden die restlichen der 8 - 16 Stämme so errichtet, dass sie das Quadrat des Grundrisses zu einem kreisähnlichen Polygon von 4,5 - 12 m Durchmesser ergänzten.
In die Gabeln der Pfosten wurden waagrecht Stämme mit etwas schwächerem Querschnitt eingelegt; gemeinsam mit den senkrechten Stützen bildeten sie die primäre Tragkonstruktion.
Die Wichita verwendeten für die Rahmenkonstruktion meist Zedernholz, das sie vorher entrindeten und glätteten.
In der nächsten Bauphase verankerte man um den inneren Rahmen 50 bis 75 cm lange, dünne Holzstämme in einem Abstand von ungefähr 0,5 - 1 m im Boden. Ihre oberen Enden wurden nach innen gebogen, bis die Stangen an den waagrechten Pfosten anlagen, und dann zusammengebunden. Dadurch ergab sich die Form einer Spitzkuppel.
Für das Zusammenbinden der Wandrippen stellte man einen hohen Gerüstpfosten in die Mitte der Bodenfläche. Nach Fertigstellung der Wände wurde diese Stütze wieder entfernt und das zurückbleibende Loch häufig als zentrale Feuerstelle genutzt.
Vier der Wandrippen ließ man über die Spitze der Kuppel hinaus stehen; sie bezeichneten die 4 Himmelsrichtungen.
Als Baumaterial für das Sekundärskelett verarbeiteten die Caddo-Stämme Holz von Hickory, Schierling oder Ulme, das ebenso wie die Stützen und Balken entrindet und geglättet wurde. Die Cahuilla verwendeten Weidenäste für die Wandrippen.
Als Unterkonstruktion für die Deckung dienten Weidenruten, die horizontal an die Tragkonstruktion gebunden wurden. Während für die Außenhaut grobes, hartes Präriegras in Bündeln an die Konstruktion "genäht" wurde, verwendete man in den Plains für die Innenseite der Hütte - besonders im Bereich der Schlafstätten - weicheres Sumpfgras, das an den Flußufern wuchs. Die Grashäuser der Cahuilla wurden mit Palmblättern gedeckt.
Um die Deckung zusätzlich zu sichern, wurde außen eine Reihe von horizontalen, dünnen Ästen befestigt.
 
 
Caroline Sedlacek  
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