10 Pura Kehen

10.1 Lageplan

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10.2 Plan

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10.3 Beschreibung

10.3.1 Kurzbeschreibung

Pura Kehen ... Tempel des Schatzhauses

Als einer der größten und sehenswertesten Tempel Balis, ein Bergheiligtum, wurde Pura Kehen vermutlich im 11. Jhdt. vom Priester Sri Brahma Kemute Ketu gegründet. Bereits aus der terrassenförmigen Anlage des Tempels, insgesamt siebenstufig, davon vier Vorstufen und den dahinterliegenden ansteigenden Vorhöfen und dem Tempelinneren, lässt sich schließen, dass es sich um einen sehr alten Tempel handelt. In späterer Zeit wurde der Typus dieser Tempelanlagen in Südbali aufgegeben.

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Pura Kehen ist der Reichstempel von Bangli. Hier werden wertvolle Bronzetafeln aufbewahrt, die aus dem Gründungsjahr Banglis (1204) stammen sollen.

Über vier mit bizarren Steinfiguren geschmückten Terrassen gelangt man zum Kori Agung, das einen besonders ausdrucksstarken Kala-Kopf trägt.

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In die Mauern, welche die einzelnen Höfe voneinander trennen, sind chinesische Porzellanteller als Opfergaben eingearbeitet. Ein riesiger Waringin-Baum trägt den hoch gelegenen Kulkul-Turm. Das Tempelinnere wird von einem elfstufigen Meru beherrscht.

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Im zweiten Vorhof befinden sich Schreine der Vorfahren der letzten königlichen Dynastie Banglis. Der dreisitzige Thron (im Plan J) im Nordosten des Tempelinneren ist der Trimurti Brahma-Vishnu-Shiva geweiht. Die Balinesen sehen in ihm allerdings den Thron des Sonnengottes Surya.

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Unterhalb von Pura Kehen, auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, steht ein weiterer kleiner Tempel.


10.3.2 Achsen

Die Haupterschließungsachse scheint auf den ersten Blick hin genau mittig in der Anlage zu liegen. Erst im Plan ist zu erkennen, dass sie leicht außermittig verläuft, in Richtung Osten, also zum Sonnenaufgang hin.

Verfolgt man die Hauptachse über die Treppen und durch sämtliche Höfe bis in das Tempelinnere, muss man feststellen, dass sie genau zwischen zwei Gebäuden (im Plan zwischen K2 und I6) endet: Eine für den Europäer eher ungewöhnliche Lösung, die allerdings auf Bali nicht selten vorkommt.

Möglicherweise kann auch hier diese Lösung durch die Angst der Balinesen vor dem Eindringen vor bösen Geistern erklärt werden. Da sich Dämonen dem Glauben nach nur geradeaus fortbewegen können und es hier kein Aling-Aling zur Abwehr gibt, könnten sie zwar in das Tempelinnere vordringen, dort aber keinen Schaden anrichten. Auf ihrem Weg befindet sich kein Schrein oder Thron, sondern sie gelangen direkt bis an die rückwärtige Umfassungsmauer der Tempelanlage.

In den verschiedenen Höfen gibt es mehrere Querachsen. Hinter der Querachse im ersten Vorhof sind sämtliche wichtigen Gebäude angeordnet. Im Tempelinneren gibt es eine weitere Querachse. An ihr ordnen sich zur Kelod-Seite hin die verschiedensten Bales, sowie zur Kaja-Seite hin Schreine und Merus, wobei die Merus größtenteils zusätzlich noch zur Kangin-Seite hin orientiert sind.


10.3.3 Symmetrie

Wie bereits mehrmals erwähnt, treten Symmetrien im europäischen Sinne auf Bali selten auf. Es sind hier aber „balinesische“ Symmetrien festzustellen, die sich in erster Linie auf die vier Himmelsrichtungen konzentrieren.

So befindet sich in Pura Kehen der Padmasana für die Trimurti Brahma-Vishnu-Shiva exakt in jener Ecke der Tempelanlage, die dem Orientierungssystem Nawa Sanggah nach die bedeutendste ist. So ist die Kaja-Kangin-Ecke, also die Nordost-Ecke, der obersten Gottheit zogeordnet, da sie sowohl dem Berg zugewandt ist als auch Richtung Sonnenaufgang weist.

Alle übrigen Schreine sind entweder an der Kaja oder an der Kangin-Seite des Tempels ausgerichtet.

Im ersten Vorhof könnte man meinen, doch auf eine Symmetrie im europäischen Sinne zu stoßen. Vor der Wand, die den ersten vom zweiten Vorhof trennt, stehen mehrere Bales. Links von der Mitteltreppe stehen drei in einer Reihe, rechts von der Treppe zwei. Die Funktionen der Bales sind allerdings recht unterschiedlich. So sind die links angeordneten dem Priester zugeordnet, jene auf der rechten Seite für Menschen, die sich zum Fest versammeln. Erst vor Ort kann man erkennen, dass die Bales der Priester eine bevorzugte Stellung innehaben, da sie gut einsehbar sind. Die beiden anderen Bales sind hingegen hinter einem riesigen Baum sowie dem heiligen Stein versteckt.

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10.3.4 Auffälligkeiten

Die Anlage nimmt einen besonders hohen Rang in der Hierarchie der balinesischen Kultstätten ein. Die frühe Gründung und die Errichtung als perfekt geplantes Stufenheiligtum zeichnen Pura Kehen aus.

Die steil ansteigenden Treppen führen den Gläubigen nach langem Weg in das Tempelinnere und bringen ihn, begleitet von bizarren Monstern und Dämonen, mit dem Durchschreiten jeden Tores den Göttern näher. Dämonen wird schon am ersten Tor, dem Kori Agung, durch die wirkungsvoll plastisch gestaltete Kala-Maske das Eindringen verwehrt.

Den ersten und zweiten Vorhof verbindend, wächst ein riesiger Waringin-Baum, der Träger des Kulkul-Turms ist.


10.4 Quellen


10.4.1 Literatur

DUSIK Roland, Bali – Java- Lombok, Köln 6 1991
GUTHRIE HAER Debbie, Bali – A traveller’s companion, Singapore 2 2001
HOMBOURG Elke, Bali, Berlin 2000
SPITZING Günter, Bali, Köln 3 1989

10.4.2 Bildnachweis

DIGNÖSS Mario © 2004: 10_karte
LEHNER Erich © 2004: 10_abb_02, 10_abb_03, 10_abb_04
MAYER Irmengard © 2004: 10_plan, 10_abb_01
ZÖHRER Günter © 2004: 10_abb_05

 

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